Anhang zum Verständnis

Kategorie: Beispielbeiträge

Ursachen und Formen der Harninkontinenz

Streßinkontinenz:
Harnverlust bei erschlafftem Beckenboden unter Belastung, z. B. beim Husten, Pressen, Niesen, Bücken, Lachen.
Wichtig! Streß wird hier im Sinne von „mechanischer Belastung" verstanden: Also wenn Druck von oben auf die Blase ausgeübt wird, z.B. durch Husten, und die Verschlußkraft der Blase nicht mehr ausreicht, obwohl die Blase gesund ist. Deshalb hilft: Beckenbodentraining.
Ursachen:
Operationen, Geburten, Unfälle oder Nervenschädigungen, Verlagerung von Blase und Harnröhre (Blasensenkung) Beckenbodenschwäche, Verziehung, Verdrängung, Hormonmangel.
Symptome:
Tropfen- bis spritzförmiger Harnabgang bei Husten, Niesen, Lachen etc. ohne vorherigen Harndrang, ohne häufiges Wasserlassen oder Schmerzen beim Wasserlassen

Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz, Reizblase):
Unkontrollierter, unfreiwilliger Harnabgang, verbunden mit intensivem Harndrang. Häufig kann der Patient den Harn nicht bis zum Erreichen der Toilette zurückhalten und verliert auf dem Weg dorthin Urin. Die Blase eines Dranginkontinenten reagiert sehr empfindlich, wenn sie größere Flüssigkeitsmengen speichern soll, aber auch bei Kälte oder Aufregung. Bei einer reinen Dranginkontinenz ist der Blasenverschluß mechanisch intakt, er wird nur durch eine übernervöse, überaktive oder übersensible Blase außer Gefecht gesetzt.

Sensorische Dranginkontinenz:
Ursachen:
Entzündliche Erkrankungen (Infektionen, nach Strahlenbehandlung, bei Blasenentzündungen)
mechanische Reize (Blasenstein, Tumoren, Verengungen der Harnröhre bzw. Prostatavergrößerung)
Blasenreizung durch Erkrankung der Nachbarorgane, Nervenreizungen
Symptome:
Häufiges Wasserlassen mit geringen Urinmengen; dabei Brennen, das sehr heftig sein kann. Bisweilen bestehen starke Schmerzen im Unterleib. Bei einer ausgedehnten Blasenentzündung kann der Urin auch blutig sein.

Motorische Dranginkontinenz:
Ursachen:
psychische Störungen, (Demenz, Morbus Alzheimer, Mutiinfarkt-Demenz),
MS, Morbus Parkinson, Schlaganfall, Hirntumor

Symptome:
Harndrang: das Gefühl für die Blase ist erhalten, aber unkontrolliert. Die abgehenden Harnmengen sind größer als bei der Streßinkontinenz.

Überlaufinkontinenz:

Der Druck der Blase übersteigt den Druck in der Harnröhre durch passive Überdehnung der Blasenwand. Ursache ist eine Abflußbehinderung, z.B. durch Prostatavergrößerung, Steine, Tumoren, Harnröhrenverengung oder Nervenschädigungen, wie sie u. a. bei Diabetes auftreten. Die Blasenwandmuskulatur wird überdehnt und ist nicht mehr in der Lage, sich zur Entleerung zusammenzuziehen.

Reflexinkontinenz ( reflektorische neurogene Blase ):
Unwillkürlicher Harnverlust ohne Harndrang aufgrund einer abnormen spinalen Reflexaktivität durch Wegfall der hemmenden Impulse von seiten des zentralen Nervensystems. Ursache ist auch eine Totalunterbrechung der Rückenmarksbahnen oberhalb des Kreuzbeinbereichs durch Querschnittsläsion oder Tumor.
Folgende Medikamente können eine Inkontinenz verstärken:
Entwässerungsmittel ( Diuretika ) und Digitalis. Eine vermehrte Harnausscheidung ist therapeutisch erwünscht, kann aber eine Inkontinenz verursachen. Häufige Ursache für Blasenfunktionsstörungen sind aber auch Schlafmittel aus der Gruppe der Barbiturate und Psychopharmaka ( stimmungsaufhellende und gegen Depressionen wirkende Arzneimittel ) sowie Tranquilizer. Diese Medikamente können Funktionsstörungen der Harnblase verursachen oder bereits bestehende Störungen verstärken. Auch Antihistaminika ( Allergiemittel ) können die Blasenfunktion ungünstig beeinflussen.
Toilettentraining: bei Dranginkontinenz: Das Kontinenztraining ist darauf abgestimmt, daß ein Zeitplan erstellt wird, wann der Patient zur Toilette geht und wann nicht. Der Betroffene gewöhnt sich daran, wieder „Eigenregie" für die Blasenentleerung zu übernehmen.

Bei Streßinkontinenz: Beckenbodengymnastik
Ziel der Beckenbodengymnastik ist es, die geschwächte Beckenbodenmuskulatur wieder zu kräftigen. Sinnvoll ist es, die Gymnastik mit einem Toilettentraining zu kombinieren. Medikamente helfen z. B. nur bei einer Dranginkontinenz, um die Symptome ( Blasenreiz und Dranggefühl ) zu beeinflussen.

Weitere Möglichkeiten, den Beckenboden zu trainieren sind:
Elektrostimulation
Vaginalkonus
Pessar mit Jojo-Kugel

Medikamente:
Es gibt viele Medikamente, die überwiegend auf durch bestimmte Nervensysteme gesteuerte Anteile des Blasenmuskels wirken und damit ganz gezielt einsetzbar sind, sofern eine Analyse der entsprechenden Harnentleerungsstörung erfolgt ist.

Die Operation:
Gerade bei Stress- und Überlaufinkontinenz können operative Eingriffe die Inkontinenz auch verstärken.

Künstlicher Schließmuskel:
· Der künstliche Blasenschließmuskel versucht, die fehlende Verschlußfunktion der Harnröhre zu ersetzen, indem er sie mit kontrolliertem Druck verschließt und damit eine willkürliche Blasenentleerung durch Öffnen des Schließmuskels zuläßt. Bei komplizierten Fällen weiblicher Inkontinenz zeigt die Implantation eines solchen künstlichen Schließmuskels gute Ergebnisse: über 80% der Frauen sind danach kontinent.
· Im Oktober 1997 wurde in den USA ein implantierbares Nervensteuerungssystem von der Gesundheitsbehörde mit dem Namen Interstim ( siehe Anhang ) zugelassen. Die Indikation liegt bei der Dranginkontinenz.

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