Ausblicke in die Wissenschaft

Kategorie: Beispielbeiträge

Wissenschaftler um Hierasig, RA. haben anhand von 1.381 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren eine randomisierte Studie durchgeführt. Der Beobachtungszeitraum betrug 4 Wochen. Die teilnehmenden Personen hatten einen Fragebogen auszufüllen, aus dem später hervorging, daß die Prävalenz der Enuresis nocturna bei 0,5% in dem untersuchten Patientengut lag.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Altersklassen waren nicht signifikant.

50% der Männer und 19% der Frauen litten an primärer Enuresis nocturna und 12% der Männer und 29 % der Frauen hatten auch begleitend Inkontinenzprobleme am Tag.

50% der Männer und 35% der Frauen haben niemals einen Arzt wegen ihres Bettnässen aufgesucht.

38% der Männer und 26% der Frauen hatten niemals etwas unternommen, um „Trocken" zu werden.

Nur 30% glaubten, daß Bettnässen behandelbar sei
.
Bettnässen war kombiniert mit verschiedenen psychosozialen Problemen. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, daß Enuresis nocturna bei Erwachsenen eine verbreitete Krankheit darstellt, die zu Unwohlsein und zwischenmenschlichen Problemen führen kann. Es kann persönliche Beziehungen, soziale Kontakte und berufliche Karrieren belasten.
Die Autoren legen den Patienten nahe, daß es Ihnen bewußt werden sollte, daß Bettnässen ein zu behandelndes Problem darstellt.
Im Gegensatz zu der herkömmlichen Meinung, daß die Enuresis nocturna nur zurückzuführen sei auf psychische Entwicklungsstörungen des Kindes, kommt Ch. Maskar von der Kinderklinik in Schweden zu dem Ergebnis, daß die Enuresis nocturna keine psychogene Störung darstellt, sondern es käme zu einer genetisch bedingten Verzögerung des Reifungsprozesses gewisser körperlicher Mechanismen.

Dazu zählt die Reduktion der Urinproduktion in der Nacht und ein normales Reflexmuster bezüglich einer vollen Blase. Mechanismen also, die das Kind schützen nachts das Bett naß zu machen.

Der Autor schätzt, daß mehr als 5% der Kinder und 0,5% der Erwachsenen, wie auch in der Vorstudie beschrieben, an nächtlicher Enuresis leiden, daß bedeutet, daß 10% der Kinder mit Enuresis auch im Erwachsenenalter noch betroffen sind.

Die internationale Gesellschaft für Enuresisforschung von der Universität in Aarhus, Dänemark kooperierten mit dem Kinderkrankenhaus in Uppsala, Schweden und hier insbesondere mit der Abteilung für Humangenetik.
Das Institut veröffentlichte im Mai 1997, daß genetische Komponenten die Entstehungsweise der primären nächtlichen Enuresis beeinflussen.
Es wurden die genetischen Faktoren von 392 Familien untersucht. Die in Frage kommenden Chromosome sind 13q und 12q. Die Vererbung kann sowohl dominant als auch rezessiv erfolgen.
· Darüber hinaus wird als Entstehungsmechanismus der Einfluß bestimmter Hormone auf die Urinregulation und / der Fehlregulation geprüft.
Ebenfalls eine Studie aus Dänemark, Aarhus untersuchte den Einfluß bestimmter Proteine der Aquapurine.

Generell läßt sich zu dem Mechanismus folgendes anmerken:
Vasopressin, ein Hormon der Nieren spielt eine wichtige Rolle in der Regulation der Wasserausscheidung. Dieses Hormon Vasopressin aktiviert die Bildung des Proteins Aquapurin 2 in der Niere. Niedrige Aquapurinspiegel zeigten zumindest in der Ratte eine extreme Polyurie, d. h. einen Anstieg des Harnvolumens.

Insofern gehen die Wissenschaftler davon aus, daß Patienten mit Enuresis nocturna möglicherweise deshalb dieses Leiden haben, da es zu einer verminderten vasopressinstimmulierten Aquapurin 2 Ausbildung kommt.
Darüber hinaus kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, daß vor allem dann, wenn dieser Mechanismus zu Grunde liegt, die Behandlung mit Desmopressin besonders erfolgreich ist, da die Patienten ihre nicht normale Urinproduktion normalisieren können.

Ebenfalls in Kooperation mit der internationalen Vereinigung für Enuresis steht die Universität Köln und hier insbesondere die Abteilung für Kinder und junge Erwachsenenpsychiatrie. In einer Arbeit aus Köln wurde Wert gelegt auf genetische Einflüsse und psychische Auswirkungen der verschiedenen Formen der Enuresis. Im Ergebnis läßt sich festhalten, daß Kinder mit sekundärer Enuresis nocturna höhere Raten an Verhaltensauffälligkeiten zeigten und auch unter größerem psychosozialen Streß standen als diejenigen mit primärer Enuresis nocturna.
Kinder der Gruppe der primären Enuresis nocturna, die eine rein primär mono - symptomatische Enuresis nocturna hatten, hatten auch eine besonders niedrige Rate an Verhaltensauffälligkeiten, vor allem im Vergleich mit denjenigen, die zwar eine primäre Enuresis hatten, aber eine nicht Mono - symptomatische.

Die Zuordnung der genetischen Einflüsse zeigte eine hohe genetische Prädisposition bezüglich der Enuresis nocturna für alle Untergruppen.
Den bereits benannten Chromosomen 12 und 13 wurde hier auch noch das Chromosom 8 zugeordnet. Letztendlich lautet das Ergebnis dieser Studie: Enuresis ist nicht gleich Enuresis. Nicht nur das klinische Erscheinungsbild, sondern auch die ursächlichen Faktoren sind sehr unterschiedlich.
· Vor diesem Hintergrund scheint es wichtig darauf hinzuweisen, daß auch endokrine Theorien für eine Enuresis nocturna diskutiert werden.
Eine Arbeit aus der Schweiz zeigte, daß über das antidiuretische Hormon ADH und bestimmter Rezeptoren im Hypotalermus ( bestimmter Gehirnabschnitt ) sowohl die Urinflußrate, als auch die Abgabe von Körpersalzen einem Tages - Nacht Rhythmus unterliegt. Tagsüber ist die Flußrate erhöht und Nachts erniedrigt. Einige Patienten, die an Enuresis nocturna leiden, haben diesen Tages - Nacht Rhythmus nicht. Das bedeutet, daß das antidiuretische Hormon ADH nachts ungenügend ansteigt , was ebenfalls das Ansprechen des Medikamentes Desmopressin bei diesen Patienten die eine polyurische, d. h. eine Form mit erhöhtem Harnvolumen der Enuresis haben, zeigt.

Auch die Autoren vom Kinderkrankenhaus aus Dallas, USA weisen darauf hin, daß die genetischen Faktoren als Erfolgsfaktoren für eine Desmopressinbehandlung herangezogen werden können.
In der Arbeit heißt es, daß man bei 71 Patienten die Familiengeschichte erhoben hat. Sie zeigte, daß in einigen Familien das Problem der Enuresis in einer vorherigen Generation bestanden hatte. Interessanterweise lag die Ansprechrate für Desmopressin bei 91% der Kinder, deren Vorfahren auch bereits an Enuresis gelitten hatten. Wo hingegen nur 7% der Kinder auf die Behandlung ansprachen die auf keine Enuresis in vorherigen Generationen verweisen konnten.

Die Autoren weisen darauf hin, daß das ADH ähnliche Hormon Desmopressin bei Patienten mit verminderter nächtlicher ADH ( antidiuretisches Hormon ) Ausschüttung gute Erfolge erzielt. Die Behandlungsdauer kann bis zu 6 Monaten dauern. Den Nebenwirkungen der Desmopressin - Behandlung wird besonders Beachtung geschenkt, da es möglicherweise zu Wasserverschiebungen im Körper kommen kann, was mit einer Verschiebung der Blutsalze einhergeht und umfassende Aufklärung des Patienten bedarf.

Letztendlich wird noch einmal von der Internationalen Enuresis-Forschungsgruppe am Krankenhaus Aarhus in Dänemark betont, daß die Enuresis nocturna eine multifakturielle Krankheit darstellt, die demnach auch mit einer Vielzahl von Behandlungmöglichkeiten begegnet werden kann.

Ein Übersichtsartikel über die Effizienz der Behandlung der nächtlichen Enuresis stammt vom Februar 1997 und kommt aus Manitoba, Kanada.In dieser Arbeit, in der 97 Referenzarbeiten beachtet werden, werden die folgenden Möglichkeiten erörtert. Die medikamentöse Therapie mit Desmopressin und tryzyklischen Antidrepressiva sowie anticholinergen Medikamenten, wobei sich letztere für die Enuresis nocturna noch kontrovers diskutiert wird.

Auch Behandlungen mittels Hypnose und bestimmter Diäten werden besprochen. In der Arbeit werden Ausblicke gegeben auf Behandlungsmöglichkeiten der Zukunft.

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